Die Wurzeln der Gewalt sind NICHT unbekannt

von Alice Miller

Die Wurzeln der Gewalt sind NICHT unbekannt

Das irregeleitete Gehirn und die verbannten Emotionen

Die Fakten:

1. Die Entwicklung unseres Gehirns h?ngt von dem ab, was wir erfahren haben. Das Gehirn bildet sich in den ersten 4 Lebensjahren aus, je nachdem welche Erfahrungen die Umwelt dem Kind bietet. So entwickelt sich das Gehirn eines Kindes, das vor allem Liebe erlebt hat, anders als das eines Kindes, das grausam behandelt wird.

2. So gut wie alle Kinder unseres Planeten werden in ihren ersten Lebensjahren geschlagen. Von Anfang an lernen sie Gewalt, und diese Lektion ist in ihrem Gehirn gespeichert. Kein Kind wird gewaltt?tig geboren. Gewalt ist NICHT genetisch bedingt. Sie existiert, weil geschlagene Kinder in ihrem Erwachsenenleben von der Lektion Gebrauch machen, die im Gehirn gespeichert ist.

3. Da geschlagene Kinder sich nicht verteidigen dürfen, müssen sie ihren ?rger verdr?ngen und ihre Wut auf die Eltern, die sie gedemütigt, ihre angeborene Empathie get?tet und ihre Würde beleidigt haben. Sp?ter als Erwachsene richten sie diese Wut gegen Sündenb?cke und vor allem gegen ihre eigenen Kinder. Da sie keine Empathie empfinden k?nnen, richten einige ihre Wut gegen sich selbst (in Form von Essst?rungen, Drogenabh?ngigkeit, Depressionen usw.) oder gegen andere Erwachsene (in Form von Kriegen, Terrorismus, Kriminalit?t usw.).

Fragen / Antworten:

F.: Eltern schlagen ihre Kinder, damit diese gehorchen, ohne dies zu hinterfragen. Abgesehen von einer kleinen Minderheit protestiert niemand gegen diese gef?hrliche Gewohnheit. Warum wird dieser so deutliche Zusammenhang (zwischen betrogenem Opfer und misshandelndem T?ter) von der ganzen Welt ignoriert? Warum haben nicht einmal die P?pste, die für das moralische Verhalten vieler Millionen Gl?ubiger verantwortlich sind, letztere bis heute nie darüber informiert, dass es ein Verbrechen ist, Kinder zu schlagen?

A.: Weil fast ALLE von uns geschlagen wurden und wir alle sehr früh lernen mussten, dass Grausamkeiten normal, harmlos und sogar gut für uns seien. Niemand hat uns jemals gesagt, dass es sich dabei um Verbrechen gegen die Menschheit handelt. Unser sich entwickelndes Gehirn speichert diese falsche, unmoralische und absurde Lektion. Dies erkl?rt die emotionale Blindheit, die auf der Welt herrscht.

F.: K?nnen wir uns von der emotionalen Blindheit befreien, die wir in der Kindheit entwickelt haben?

A.: Wir k?nnen uns, zumindest bis zu einem gewissen Grad, von dieser Blindheit befreien, indem wir es wagen, unsere verdr?ngten Emotionen zu fühlen, auch unsere Angst vor und unsere verbotene Wut auf unsere Eltern, die uns oft terrorisiert haben in diesen langen Jahren, die die sch?nsten unseres Lebens h?tten sein sollen. Wir k?nnen diese Jahre nicht nachholen. Aber indem wir uns der Wahrheit stellen, k?nnen wir unser inneres Kind, das voller Angst und Ablehnung ist, in einen Erwachsenen verwandeln, der seine Wahrheit kennt und daher verantwortungsvoll ist, der schlie?lich seine Empathie wiedergewonnen hat, derer man ihn so früh beraubt hat. Wenn wir Menschen werden, die ihre Geschichte gut kennen, k?nnen wir nicht mehr bestreiten, dass Kinder zu schlagen ein Verbrechen ist, das auf der ganzen Welt verboten werden sollte.

Schlussfolgerung:

Sich um die emotionalen Bedürfnisse unserer Kinder zu kümmern bedeutet weitaus mehr als ihnen eine glückliche Kindheit zu bieten. Es bedeutet, es dem Gehirn der zukünftigen Erwachsenen zu erm?glichen, gesund und rational zu funktionieren, ohne Perversion und Wahnsinn. Ein Kind dazu zwingen zu lernen, dass Schl?ge ohne Zweifel gut für es seien, ist die absurdeste und abwegigste Lektion, die gef?hrlichste Konsequenzen hat. Diese Lektion, gepaart mit der Tatsache, von seinen wahren Gefühlen getrennt zu sein, bildet die Wurzeln der Gewalt.